Libyen – Rundreise Teil 1: Wüste erleben im Fessan

Libyen als Reiseland?

Ja, das gab es! Sicherlich war es nie ein typisches Land für Massentourismus.

Doch die drei historischen Großprovinzen Tripolitanien, Kyrenaika und Fessan sind alleine landschaftlich schon einzigartig – erst recht die vielen historischen Schätze, von denen einige unter dem Schutz der UNESCO stehen und auf der Liste der Welterbestätten zu finden sind.

 

Rundreise Libyen

Die komplette Libyen-Rundreise durch alle historischen Provinzen.

 

Ich war im Oktober 2010 dort und es war eine der beeindruckendsten Reisen, die ich je unternommen habe. Doch seit mehr als vier Jahren kommen keine guten Nachrichten aus Libyen und es scheint, als würde das Land immer mehr im Chaos versinken. Bürgerkrieg und „IS“-Terrormilizen lassen das Land und die Menschen nicht zur Ruhe kommen.

 

Da verwundert es kaum, dass Libyen mit seinen endlosen Küsten ein Paradies für Menschenschleuser ist.

 

Von dort versuchen Hunderttausende Flüchtlinge aus Afrika nach Europa zu gelangen. Täglich wird in unseren Medien über dieses als „Flüchtlingsdrama“ bezeichnete Leid berichtet.

Und immer wieder denke ich an die wunderbaren Tage, die ich dort erlebt habe, an denen ich dieses einzigartige Land kennenlernen durfte. Deshalb habe ich mich entschlossen, gerade jetzt von dieser Reise zu erzählen, mit Bildern zu dokumentieren, wie schön dieses Land, wie beeindruckend die Kultur und wie herzlich die Menschen dort sind.

Rundfahrt durch den Fessan

 

Libyen, Wüste

Die Reiseroute durch die libysche Wüste – aufgenommen mit meinem Garmin.

 

Beginnen will ich mit der Wüste, obwohl dieser Teil den Abschluss der insgesamt 17-tägigen Rundreise bildete.

Etwa 85 % der Landesfläche werden von der Sahara eingenommen. Und ich gebe zu, dass es diese Wüste war, die mich am meisten reizte, die ich unbedingt sehen und erleben wollte: sechs Tage und fünf Nächte waren wir dort unterwegs, Startpunkt war die Stadt Sebha.

 

Start in Sebha

Sebha in Libyen

Sebha, die Hauptstadt im Fessan und Startpunkt der Reise durch den libyschen Teil der Sahara.

 

In Sebha treffen wir zusammen: die fünfköpfige deutsche Reisegruppe, Nasser, unser ständiger Reisebegleiter, Hamed und Hrufar, die Fahrer der beiden Toyota Land Cruiser, Juma, unser Begleiter von der Tourismuspolizei und last but not least Achmed, der Fahrer des „Küchenwagens“ sowie Brigi, der Koch.

 

Crew bei der Rundreise Libyen

von links nach rechts: Hrufar, Juma, Hamed und Brigi

 

Kurze Beratung, welche Route gefahren wird und bei einem Halt auf dem Markt von Murzuk werden die Vorräte mit frischen Lebensmitteln aufgefüllt.

 

Mursuk, Fessan

Letzte Einkäufe auf dem Markt von Murzuk.

Im Murzuk Erg

Dann geht es hinein in die Erg genannten Sand- und Dünenwüsten.

 

Murzuk Erg, Libyen

Murzuk Erg – wir sind in der Wüste.

 

Nur die Motorgeräusche sind zu hören, denn alle sind verstummt beim Anblick dieser Unendlichkeit aus Sand und Schönheit.

 

Murzuk Erg

Nur Sand und Wind …

 

Murzuk Erg

… und meine Fußstapfen.

 

Gleißendes Licht blendet uns beim Halt an einer Stelle mit weißen Kalkablagerungen und man bekommt eine Vorstellung davon, wie man sich wohl in der Weißen Wüste in Ägypten fühlen muss.

 

Murzuk Erg

Kalkablagerungen – wie in der Weißen Wüste in Ägypten.

 

Als die Sonne schon tiefer steht, wird nach einem Lagerplatz für die Nacht Ausschau gehalten: 25° 51.173′ Nord und 12° 35.755′ Ost halten die Fahrer für ideal.

 

Murzuk Erg, Libysche Wüste, Fezzan

Die Sonne steht schon sehr tief.

 

Die Fahrzeuge werden abgeladen und schnell sind die blauen Zelte aufgebaut.

 

Murzuk Erg, Fessan

Hier werden wir die erste Nacht verbringen.

 

Fessan, Murzuk Erg,

Die Zelte sind schnell aufgebaut.

 

Brigi zaubert unterdessen eine köstliche grüne Linsensuppe über einem offenen Feuer, an der wir uns bald alle stärken.

Nasser, der sehr gut Deutsch spricht, unterhält uns mit vielen Geschichten. Einen Spruch werde ich dabei nie vergessen:

 

Der Weg der Macht führt durch die Paläste,
der zum Reichtum durch die Basare,
der Weg zur Weisheit aber führt durch die Wüste.

 

Ich spüre noch heute die Atmosphäre dieses Abends und der Nacht, in der ich kaum ein Auge zumache. Zu schön ist der Sternenhimmel und die absolute Ruhe. Nur manchmal zupft ein leichter Wind an meinem Zelt und erzeugt so ein leises flappendes Geräusch.

Schon bei den ersten wärmenden Strahlen der Sonne bin ich mit meiner Kamera auf den Dünen ringsum unterwegs, bevor wir uns zum Wüstenfrühstück treffen: Nescafé oder Tee, Zucker und Milchpulver, Fladenbrot, Margarine, Marmelade und Honig und natürlich: „La Vache qui rit“ – der Schmelzkäse, der nie fehlt.

 

Akakus Gebirge

Der Frühstückstisch wird gedeckt.

 

Noch frieren alle ein wenig, denn in der Nacht ist es ganz schön abgekühlt, doch schnell heizt die Morgensonne alles auf.

 

Wan Cassa Dünen, Sahara

Warten aufs Frühstück in der Morgensonne.

 

Der Weg führt uns durch eine Steinwüste, die sowohl Fahrern als auch den Fahrzeugen alles abverlangt.

 

Wadi Mathendusch

Steinwüste auf dem Weg zum Wadi Mathendusch.

 

UNESCO-Weltkultuerbe im Wadi Mathendusch (Wadi Mathendous)

Gegen Mittag erreichen wir Wadi Mathendusch und können die legendären Felsgravuren bewundern, die davon zeugen, dass die Sahara früher alles andere als eine lebensfeindliche Gegend, sondern Heimat von Giraffen, Büffeln, Krokodilen und vieler anderer Tiere war.

 

Wadi Mathendusch, libysche Wüste

Wadi Mathendusch – ein ausgetrocknetes Flussbett.

 

Felsgravuren, Wadi Mathendusch

Felsgravuren im Wadi Mathendusch: „Kampf der Meerkatzen“,

 

Wadi Mathendusch, libysche Wüste, Sahara

Krokodile,

 

Wadi Mathendusch

Büffel,

 

Wadi Mathendusch

… Giraffen – all diese Tiere müssen hier einmal gelebt haben.

 

Akakus-Gebirge

Bis zum Abend erreichen wir das sagenhafte Akakus-Gebirge, dessen bizarre Felsen unendlich viele Fotomotive bieten.

 

Akakus

Wir erreichen das Akakus-Gebirge.

 

Die hier zu findenden Felszeichnungen wurden teilweise schon vor 12.000 Jahren von wahren Künstlern hergestellt. Sie sind ebenfalls Teil des Welterbes der UNESCO und belegen, wie vielfältig Flora und Fauna hier einst waren.

 

Akakus Gebirge, Felsbilder

Felsbilder im Akakus-Gebirge.

 

Akakus Gebirge, Felsbilder

Felsbilder im Akakus-Gebirge.

 

Akakus Gebirge, Felsbilder

Felsbilder im Akakus-Gebirge.

 

Am Abend gibt es Libysche Suppe und noch mehr Geschichten. In der zweiten Nacht – ich habe mein Zelt noch ein wenig weiter von den anderen aufgeschlagen als gestern – sind meine Ohren bereits ein wenig mehr geschärft: ich beginne, die Wüste zu hören.

 

Libyen, Akakus-Gebirge

Akakus-Gebirge am Morgen

 

Insgesamt sind wir zwei Tage im Akakus-Gebirge unterwegs und ich glaube, man könnte sich hier wochenlang aufhalten – und würde immer wieder Neues entdecken: Neues aus Stein, aus Sand, aus Licht, aus Wind.

 

Akakus

Bizarre Formen …

 

Akakus, Libyen

 

Akakus

… immer wieder anders.

 

Akakus, libysche Wüste

Kleine Formationen …

 

Akakus

… und riesengroße.

 

Akakus, Gebirge

Auf der Fahrt im Akakus-Gebirge …

 

Akakus

… und bei einer Pause.

 

Akakus, Felsgravuren

Und auch hier: immer wieder Felsgravuren – fachmännisch erklärt von Nasser.

 

Wan Cassa Dünen im Sandmeer von Ubari

Am Nachmittag des vierten Tages erreichen wir die Wan Cassa Dünen im Sandmeer von Ubari. „Bahr bela ma“ nannten die arabischen Karawanenführer die Sahara, was so viel heißt wie „Meer ohne Wasser“. Hier wird dieser Name wahrhaft anschaulich: Sand, wohin das Auge reicht. Und unberührt sieht es aus.

 

Wan Cassa, Dünen,

Wan Cassa Dünen – unberührte Schönheit.

 

Wan Cassa, Dünen

Kleine Sandlawine – von mir losgetreten.

 

 

Bahr bela ma, Wan Cassa

„Bahr bela ma“ – „Meer ohne Wasser“

 

Es ist absolut faszinierend, wie Hamed, Hrufar und Achmed den richtigen Weg finden und immer wissen, wie sie eine Düne am besten befahren müssen. Wissen, das sie durch Beobachtung und Erfahrung erworben haben und das sie immer zum Ziel bringt.

 

Libysche Wüste, Akakus

Sie finden immer den richtigen Weg im Sand.

 

Ein unbeschreibliches Gefühl.

 

Dagegen wäre ich hilflos verloren in dieser Wüste. Selbst mit meinem Garmin, das mir zwar auf die Bogensekunde genau sagt, wo ich gerade bin, mich aber hier dennoch nicht zu einem Ziel bringen würde, denn ich kenne kein Ziel. Kenne weder Koordinaten der Dünen noch worauf ich achten muss: Farben, Festigkeit des Sandes, Bedeutung des Windes und der Windrichtung ……

 

Wan Cassa

Zeit, den Lagerplatz für die Nacht zu finden.

 

Und dennoch fühle ich mich nicht ausgeliefert, sondern sicher, beginne zu verstehen, wie wertvoll dieses andere Wissen ist, das nicht in Schulen gelehrt wird. Ich vermisse nichts hier, genieße jede Sekunde mit den anderen am abendlichen Lagerfeuer und beim Essen oder später alleine in meinem kleinen Zelt.

 

Wan Cassa

Vor dem Abendessen: Plausch unter Männern …

 

Libyen

… und etwas Ruhe nach der anstrengenden Fahrt.

 

Die Mandara Seen

Mitten im Sandmeer von Ubari wartet am nächsten Tag ein wahres Naturwunder auf uns: die Mandara-Seen. Sie sollen ein Überbleibsel des großen Binnensees sein, der vor einigen hunderttausend Jahres das Saharabecken ausfüllte. Der Salzgehalt ist sehr hoch – ähnlich dem des Toten Meeres. Abhängig von den jahreszeitlichen Schwankungen des Grundwassers gibt es 10 bis 15 dieser Wasserflächen, die sich inmitten von hohen Dünen, Sandverwehungen und der gnadenlosen Hitze der Sahara behaupten. Diese Umgebung stellt das Szenario für unseren letzten Lagerplatz, unsere letzte Nacht in der Wüste dar.

 

Fata Morgana, Mandara See

Es sieht aus wie ein Wunder, eine Fata Morgana:

 

Mandara See

… Wasser, mitten in der Wüste.

 

Mandara See, Sahara

Einfach unglaublich schön …

 

Tuareg, Mandara See

… und keinesfalls menschenleer: Tuareg verkaufen Schmuck und Tücher.

 

Abschied in Sebha

Am nächsten Tag fahren wir wieder Richtung Sebha, wo es Abschied nehmen heißt von den vertraut gewordenen Fahrern und unserem Koch. Es fällt schwer, sich von Hamed, Hrufar, Achmed und Brigi zu verabschieden. Was an gemeinsamer Sprache vorhanden ist, wird zusammengeworfen. Ich bekomme eine Vorstellung davon, wie tief Freundschaften in lebensfeindlichen Gebieten werden können.

 

Libyen, Sebha

Abschied von Hamed, Hrufar …

 

Libyen, Sebha

… Achmed.

 

Ich bin traurig, hier weg zu müssen – und glücklich, dass ich es erleben durfte. Und ich freue mich, dass ich auf dem Rückflug von Sebha nach Tripolis alleine sitzen kann, mit niemandem reden muss.

(Die weiteren Berichte über meine Reise durch Tripolitanien, die Kyrenaika und Ghadames, denn diese Stadt verdient einen eigenen Teil, werde ich in lockerer Folge veröffentlichen.)

8 Kommentare

Eva

vor 3 Jahren

Auch wir hatten das Glück und konnte 2005 dieses faszinierende Land bereisen und einige seiner wunderbaren Menschen kennenlernen. Momentan bin ich beim Erstellen des FB und erlebe alles noch einmal, schade, wie sich unsere Welt entwickelt. Herzlichst! Eva

Antworten

Huebscher

vor 3 Jahren

Hallo Eva, sorry dass die Antwort so lange gedauert hat. Ich war in Malawi und bin seit gestern zurück. Ja, es ist so schade und ich mag mir überhaupt nicht vorstellen, was alles zerstört wurde und wie sehr die Menschen dort immer noch leiden. Herzliche Grüße, Barbara

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Brigitte Frkovic

vor 4 Jahren

Hallo Barbara, entschuldige mein spätes Antworten, aber ich war 1 Monat in Zagreb. Durch Deine wunderschönen Fotos sowie den präzisen Reisebericht, habe ich unsere gemeinsame Reise nochmals genauestens durchlebt. Du hast recht, es war eine wunderschöne, beeidruckende Reise mit sehr angenehmen Begleitern und Mitreisenden. Vor allen Dingen Du und Gundrun . Ich bin dankbar, Euch beide kennengelernt zu haben. Ich denke oft an dieses hochinteressante Land mit seinen freundlichen Menschen, die alle in einer begeisterten Aufbruchsstimmung waren, und sich so freuten, westliche Touristen zu sehen. Was ist jetzt nur daraus geworden - eine Tragödie, ich bin unendlich traurig mitbekommen zu müssen was jetzt dort los ist. Liebe Grüße Brigitte

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Huebscher

vor 4 Jahren

Hallo Brigitte, nun muss ich mich für meine späte Antwort entschuldigen: ich war zwei Wochen in Afrika. Eine Woche im Turkana-County in Kenia und die zweite Woche im Süden von Äthiopien. Darüber werde ich bald berichten. Danke für Deinen Kommentar. Auch mir ging es so, dass ich alles noch einmal intensiv nacherlebt habe. Dabei habe ich sehr oft an Dich und Gudrun gedacht und wie schön es war, Euch beide kennengelernt und diese wunderbaren Tage mit Euch verbracht zu haben. Es ist wirklich eine Tragödie. Nasser hat mir geschrieben, dass viele der Felsgravuren und Felsbilder, deren Fotos ich im Bericht gezeigt habe, zerstört sind. Das ist alles so unendlich traurig. Am schlimmsten finde ich, dass immer die Menschen, die mit diesem Wahnsinn eigentlich nichts zu tun haben, darunter leiden müssen. Ich will auch noch die anderen Teile beschreiben. Das wird vielleicht noch ein wenig dauern, aber Teil 2 und 3 kommen bestimmt. Viele liebe Grüße Barbara

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Rose

vor 4 Jahren

Liebe Barbara, wieder mal eine wunderbare Reportage mit Bebilderung. Schade, dass das Land jetzt nicht mehr bereist werden kann. Hoffentlich ändert sich das irgendwann mal. Als Wüstenfan kann ich gut nachvollziehen, wie beeindruckend die Menschen, die Kultur und die Landschaft sind. Diese Eindrücke kann man kaum übermitteln, man sollte es selbst erlebt haben. Einmal Wüste, immer Wüste - oder nie wieder! Diesen Spruch hörte ich bereits vor 7 Jahren von einem Tuareg, und es ist wahr!

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Huebscher

vor 4 Jahren

Ja, ich hoffe auch, dass sich das ändern wird. Die 6 Tage Wüste dort waren ein unvergleichliches Erlebnis. Mein Freund Nasser hat mir geschrieben, dass einige der Felsgravuren bzw. -bilder auf den Fotos zerstört sind. Was für ein Wahnsinn!

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Wibke Akosua

vor 4 Jahren

Wie schön, dass du gerade jetzt von Libyen als Reiseland erzählst und zeigst, wie schön dieses Land eigentlich sein kann. In den Medien hört man nur noch Hiobsbotschaften über Libyen. Da ist es wirklich nett, auch einmal einen anderen Blickwinkel auf das Land zu bekommen. Mein Onkel war vor über 30 Jahren längere zeit geschäftlich in Libyen und erzählt oft Geschichten über die zeit dort. Mit dabei auch Geschichten über die wunderschöne Landschaft und die Menschen dort. Liebe Grüße, Wibke

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Huebscher

vor 4 Jahren

Ja, es war und ist mir wirklich ein Bedürfnis darüber zu schreiben und die Fotos zu zeigen. Ich denke, die Menschen leiden schon genug unter ihrer Situation. Und ich wünsche mir und allen, die auch nur ein wenig neugierig auf Libyen sind, dass sich die Dinge so schnell wie möglich ändern. Dass die Menschen dort wieder menschenwürdig leben können! Dass die Flüchtlinge auf legalem Weg dorthin fahren können, wo sie hin wollen. Viele liebe Grüße Barbara

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