Bootsfahrt auf dem Tanganjikasee zum Schimpansen-Trekking im Gombe Nationalpark

Mit dem Boot von Burundi nach Tansania zu unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen

Wieder einmal bin ich in Burundi, dem kleinen ostafrikanischen Land, das ich so liebe.

Dieses Mal werde ich von Valentin begleitet, mit dem ich zukünftig zusammenarbeiten will. Er hatte mir vorgeschlagen, den Ausflug zu den Schimpansen zu unternehmen.

East African Hotel in Nyanza-Lac

Wir sind gestern Abend in Nyanza-Lac, der südlichsten Stadt von Burundi, angekommen.

Übernachtet haben wir im East African Hotel, das unmittelbar am Strand des Tanganjikasee liegt. Ich habe schlecht geschlafen.

Wahrscheinlich war ein ganzer Mukeke doch zu viel zum Abendessen. Doch wenn dieser wahrscheinlich beste Fisch des Tanganjikasees auf meinem Teller liegt – zusammen mit frittierten Kochbananen – kann ich einfach nicht widerstehen.

Gewitter in der Nacht

Hinzu kam noch ein heftiges Gewitter in der Nacht. Ich bin früh wach – und das ist sogar gut so, denn der Strom ist ausgefallen. Sich zu waschen und alles zu packen dauert – nur mit einer Taschenlampe als einziger Lichtquelle – halt etwas länger.

Sicherheitshalber nehme ich schon jetzt eine Tablette gegen Reisekrankheit und hoffe inständig, dass sie wirkt. Normalerweise werde ich schon auf einem Tretboot seekrank – und der Tanganjikasee kann ganz schön rau sein.

Rechtzeitig um 6:00 Uhr bin ich fertig. Es regnet noch immer.

Aufbruch

Valentin wartet schon auf mich. Bei einem kurzen Frühstück nehme ich die zweite Tablette und denke an meinen letzten Bootsausflug in Kenia, bei dem mir unendlich übel geworden ist.

Jetzt nur nicht daran denken und runter zum Landungssteg, wo unser Schiff schon wartet.

Wir klettern an Bord des grün und gelb gestrichenen Holzboots. Ein aufgespanntes blaues Kunststoffdach hält die letzten Regentropfen ab.

Da liegt unser Boot im Morgengrauen.

Da liegt unser Boot im Morgengrauen.

 

Claude wirft den Außenbordmotor an und Eddy zieht den Anker ins Boot.

 

Der Anker ist ganz schön groß!

Der Anker ist ganz schön groß!

 

Als ich sehe, wie groß der Anker ist, zweifle ich wieder einmal an der Wirkkraft meiner Reisetabletten: wenn man für so ein kleines Boot schon einen so großen Anker braucht, muss der Wellengang ja ganz schön heftig sein!

 

Tanganjikasee, Tanganjika See, Burundi,

Claude, der Kapitän, steuert uns sicher auf den Tanganjikasee.

 

Das Boot nimmt sehr schnell Fahrt auf und schon sind wir auf dem See. Die Berge im Hintergrund sind noch immer in Regenwolken gehüllt und auf dem See hängt noch an vielen Stellen dichter Morgennebel.

Ich sitze ganz still und betrachte die am Ufer langsam vorbeiziehende Landschaft, mache ein paar Fotos, unterhalte mich mit Valentin.

Als ich auf meine Uhr schaue, wird mir klar, dass wir schon eine halbe Stunde unterwegs sind – und mir geht es gut! Mir ist überhaupt nicht schlecht geworden. Das grenzt schon fast an ein Wunder.

Grenzen

Nach etwa eineinhalb Stunden nehmen wir Kurs auf den Strand. Wir sind an der Grenze angelangt, müssen zuerst auf burundischer Seite aussteigen.

Wir steuern auf die burunidische Grenze zu.

An der burundischen Grenze steigen wir zum ersten Mal aus.

 

Als erstes das Ausreiseformular ausfüllen, dann zur Hütte mit dem Gesundheitscheck.

Selbst hier an dieser kleinen Grenzstation, an der wahrscheinlich nur ein paar Leute pro Tag vorbeikommen, werden die Vorschriften der WHO eingehalten. Mit einem Infrarot-Thermometer wird festgestellt, dass ich keine erhöhte Temperatur habe und weiterreisen darf.

Zum Schluss noch die Passkontrolle und dann wieder für einige hundert Meter ins Boot.

 

Die Station für den Gesundheitscheck.

Die Station für den Gesundheitscheck.

 

Tanganjikasee, Tanganjika See, Burundi, Tansania

Alles o.k.

 

Wir sind an der tansanischen Grenzstation: Einreiseformular ausfüllen, zum Büro, wo mein Touristenvisum ausgestellt wird, Passkontrolle, fertig.

 

Mein Touristenvisum für Tansania.

Ich bekomme mein Touristenvisum für Tansania.

 

Jetzt noch einmal eine gute halbe Stunde mit dem Boot fahren. Das Wasser hier ist dunkelgrün. Weil es so tief ist, erklärt uns Claude.

Am Strand sind Paviane zu sehen. Der Wald direkt hinter dem Strand sieht jetzt so aus, wie ich mir richtigen tropischen Urwald vorstelle: unterschiedlichste Abstufungen von Grün, die Bäume dicht an dicht.

 

Grünes Wasser, dichter Wald und Strand: alles gehört schon zum Gombe Nationalpark.

Grünes Wasser, Strand und dichter Wald: alles gehört schon zum Gombe Nationalpark.

 

Der Eingang zum Nationalpark.

Der Eingang zum Nationalpark.

 

Im Gombe Nationalpark zum Schimpansen-Trekking

Bald sind wir an der Landungsbrücke des Parks angelangt. Mittlerweile haben sich alle Regenwolken und auch der Nebel verzogen.

An der nahen Rezeption werden die letzten Formalitäten erledigt und wenige Minuten später sind wir bereits mit unserem Guide Hamed unterwegs.

 

Im Tropischen Regenwald

Nach einem kurzen Stück am Strand entlang schlagen wir den Weg in den Regenwald ein. Anfangs sind wir noch auf einem schmalen Pfad unterwegs.

 

Pflanze mitten auf dem Weg.

Fast wäre ich darauf getreten.

 

Hamed unterhält sich immer wieder über Funk mit anderen Guides. So stimmen sie sich gegenseitig ab, in welche Richtung wir gehen müssen.

Ab und zu bleibt er stehen, stößt er einen seltsamen Ruf aus, horcht. Beim dritten Mal gibt er uns ein Zeichen: wir verlassen den Weg. Es geht sehr steil bergan. Manchmal ist der Untergrund glitschig.

 

Durch dichtes Unterholz geht es steil bergan.

Durch dichtes Unterholz geht es steil bergan.

 

Pause

Nach gefühlten 500 Metern Höhenunterschied muss ich eine Pause einlegen. Hier ist der Wald sehr dicht, die Luftfeuchtigkeit hoch. Ich hoffe, dass ich die Tiere nicht durch mein Japsen vertreibe.

 

Schimpansen, Schimpansen-Trekking

Kurze Pause

 

Nach einem großen Schluck Wasser, den ich sicher in den nächsten Minuten wieder ausschwitzen werde und einer kurzen Rast drängt Hamed darauf, dass wir weitergehen.

Wir setzen uns in Bewegung, doch die Abstände, in denen ich eine Pause einlegen muss, werden kürzer. Immer wieder bleibe ich mit einem Fuß in einer Pflanze hängen. Glücklicherweise kann ich mich jedesmal an irgendeinem Gewächs festhalten, so dass ich nicht stürze.

 

Gefunden!

Plötzlich sind wir wieder auf einem Weg. Hamed bleibt stehen, stößt erneut einen Ruf aus und da ertönt ganz in unserer Nähe ein lautes aufgeregtes „Whuup“, das sofort durch ein Dutzend anderer Stimmen verstärkt wird. Er dreht sich zu uns um, hält den Zeigefinger an den Mund und zeigt nach vorne.

Mir bleibt fast das Herz stehen, denn kaum zehn Meter von uns entfernt laufen drei Schimpansen diesen Weg entlang, auf dem wir jetzt stehen.

Ganz vorsichtig setzen wir einen Fuß vor den anderen, nähern uns den Tieren.

Nun sehen wir immer mehr von ihnen: einige turnen in den Bäumen, andere hocken in Gruppen am Boden und spielen miteinander.

 

Schimpansen, Schimpansen-Trekking

Plötzlich und ganz nah sehe ich sie.

 

Schimpansen, Schimpansen-Trekking

Immer mehr …

 

Schimpansen, Schimpansen-Trekking

… und immer näher.

 

Schimpansen, Schimpansen-Trekking

Versteckt im Unterholz.

 

Dann schreien alle durcheinander und so plötzlich, wie sie aufgetaucht sind, sind sie im Wald verschwunden.

 

Verfolgung

Wir folgen ihnen – in unserem Tempo. Sie schwingen sich durch die Baumwipfel – das ist eine wesentlich schnellere Fortbewegungsart.

So haben wir sie nach kürzester Zeit aus den Augen verloren, hören sie nicht einmal mehr. Hamed erkundigt sich bei den anderen Guides über Funk nach der Richtung, in die sie unterwegs sind.

Wir hetzen jetzt – mitten durchs Unterholz und größtenteils bergabwärts – hinterher.

 

Quer durch den Wald.

Quer durch den Wald.

 

Ich habe keine Zeit, über das nachzudenken, was ich vorhin erlebt habe. Ich selbst glaube schon nicht mehr, dass wir sie wiederfinden, als Hamed uns mit einem Zeichen bedeutet, stehen zu bleiben.

Er hat sie ausgemacht: wir sind ganz in ihrer Nähe und schleichen uns jetzt heran. Auch hier ist der Wald sehr dicht und tatsächlich sehen wir sie jetzt wieder: nicht auf der Erde wie vorhin, sondern auf den Bäumen ringsum.

Ich bleibe stehen, nehme vorsichtig meine Kamera und kann auch einige Fotos machen.

 

Schimpansen

Wieder gefunden.

 

Schimpansen

Ganz versteckt.

 

 Schimpansen

Sie turnen in den Bäumen …

 

 Schimpansen

… und pflegen gegenseitig ihr Fell.

 

Schimpansen

Worüber sie wohl nachdenkt?

 

Plötzlich kracht es über mir. Erschreckt sehe ich nach oben und mir wird klar, dass sich einer der Tiere von einem höheren Baum in die Krone des Baumes fallen gelassen hat, unter dem ich stehe.

 

Nähe

In diesem Augenblick packe ich meine Kamera weg.

Ich will es wirklich fühlen, wie ich hier stehe, ganz nah bei unseren nächsten genetischen Verwandten, will alles wirklich mitbekommen, halte den Atem an.

Ich kann nicht mehr sagen, wie lange ich dort gestanden habe, aber ich habe etwas mitgenommen, das man nicht mit der Kamera festhalten kann.

Irgendwann ziehen sie auch von dieser Stelle weiter.

 

Der letzte Blick.

Der letzte Blick.

 

Wir machen uns an den Abstieg, keiner redet. Bald sitzen wir wieder im Boot. Claude startet den Motor und Eddy zieht wieder einmal den Anker hoch.

Mir fällt ein, was ich über den Park gelesen habe: dass die hiesigen, an Menschen gewöhnten Schimpansen durch die Pionierarbeit von Jane Goodall berühmt wurden. Dass sie bereits 1960 dort, wo ich gerade war, eine Verhaltensstudie in Angriff nahm, die heute als die längste aktuelle Studie ihrer Art in der Welt gilt.

Ich habe Jane Goodall immer bewundert. Doch jetzt habe ich eine Ahnung davon, wie sie sich bei ihrer Arbeit gefühlt haben muss.

 

Rückfahrt

Auf dem Rückweg halten wir wieder an den beiden Grenzposten an und fahren dann auf dem kürzesten Weg zurück nach Nyanza-Lac.

 

Tanganjikasee, Tanganjika See

Claude bringt uns zurück.

 

Die Sonne steht jetzt schon sehr tief und taucht alles in ein wunderbares Licht.

Was für ein Tag, was für ein Erlebnis. Passender könnte der Sonnenuntergang heute nicht sein.

 

Sonnenuntergang über dem Kongo.

Sonnenuntergang über dem Kongo.

 

6 Kommentare

Hanni R.

vor 4 Jahren

Hallo Barbara, durch einen glücklichen Zufall bin ich auf deine Seite gelangt. Deine Erlebnisse haben mich richtig neugierig gemacht auf Burundi und Tansania. Die Fotos sind toll! Vom afrikanischen Kontinent habe ich bisher nur Marokko gesehen. Eine Reise nach Ostafrika wird nun mein nächstes Ziel sein. Vielen Dank dafür, dass du deine Impressionen mit anderen teilst. Schicke mir doch dazu bitte Informationsmaterial! Schöne Grüße, Hanni R.

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Huebscher

vor 4 Jahren

Liebe Hanni, es freut mich sehr, dass ich dich inspirieren konnte. Es gibt zur Zeit eine fest terminierte Reise nach Burundi. Das heißt aber nicht, dass es nur diese gibt. Grundsätzlich können die Reisen zu jeder Zeit und mit den von dir gewünschten Zielorten zusammengestellt werden - nach dem Baukastenprinzip sozusagen. Und du kannst alleine reisen oder mit anderen Leuten zusammen. Das Informationsmaterial geht noch heute raus. Viele liebe Grüße Barbara

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Ursula Flöck

vor 4 Jahren

Liebste gr. Schwester! Wie immer beschreibst du deine Reisen so liebevoll und spannend.Es ist,als ob man dabei wäre. Wie gerne würde ich dich auf diese Reise begleiten,aber leider geht es nicht. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg! Alles Liebe, deine Ursula

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Huebscher

vor 4 Jahren

Danke, mein liebstes Schwesterchen, vielleicht nehme ich dich doch eines Tages einmal mit! Deine Barbara

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Sven

vor 4 Jahren

Das ist aber wirklich eine hochinteressante Tour. Ich hoffe, ich kann da mal mitreisen und die Schimpansen mit Bananen füttern. Sven

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Huebscher

vor 4 Jahren

Füttern darf man die Schimpansen leider nicht. Trotzdem solltest Du unbedingt einmal mitkommen. Barbara

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