Gorilla-Trekking im Kahuzi-Biéga Nationalpark

Gorilla-Trekking im Kahuzi-Biéga Nationalpark im Kongo (DRC)

Unterwegs zur Grenze von Ruanda

Wir verlassen die Hauptstadt Burundis und fahren von Bujumbura aus am frühen Nachmittag Richtung Nordwesten. Wir, das sind Valentin und ich.

Ihn hatte ich im letzten Jahr kennengelernt, als ich zum ersten Mal in Burundi war und das Land erkunden wollte. Als Chef der Akeza Discovery Tours hatte er mir ein sehr gutes Angebot für eine Rundreise gemacht.

Heute vermittle ich seine Reisen und deshalb hatte er mir den Vorschlag für den Ausflug zu den Gorillas gemacht.

Zunächst ist die Straße sehr schlecht. Wir müssen hunderten von Schlaglöchern ausweichen, so dass wir nur langsam vorankommen. Die Zeit drängt: die Grenze zur Demokratischen Republik Kongo (DRC) schließt pünktlich um 18:00 Uhr.

Doch zunächst müssen wir noch die Aus- und Einreiseformalitäten an der Grenze zu Ruanda erledigen, denn um nach Bukavu in der DRC zu kommen, muss man etwa 50 km durch Ruanda fahren.

Das alles geht erstaunlich schnell, doch wir werden es heute wohl nicht mehr schaffen, unser gebuchtes Hotel in Bukavu zu erreichen.

Der nette Polizist an der ruandisch-kongolesischen Grenze gibt uns den Tipp, im „Motel Ruzizi 2“ zu übernachten. Das liegt ganz nahe an der Grenze – und essen können wir dort auch. Lachen müssen wir, als später der gleiche Polizist – nun in zivil – im Restaurant auftaucht.

Einreiseformalitäten an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo (DRC)

Die Nacht ist kurz, denn wir wollen so früh wie möglich zur Grenze, damit wir rechtzeitig im Nationalpark ankommen.

Blick von Ruanda auf den Grenzfluss zur DRC und Bukavu

Blick von unserem Hotel in Ruanda auf den Grenzfluss Ruzizi und Bukavu: über diese Brücke müssen wir fahren, um in den Kongo zu gelangen.

 

Ein kurzes Frühstück und schon sind wir zur Grenzstation Ruzizi II unterwegs. Die Grenzstationen (es gibt auch noch Ruzizi I) sind nach dem Grenzfluss Ruzizi benannt.

Der Ruzizi (auch Rusizi) ist der einzige Abfluss des Kivusees. Er fließt Richtung Süden und mündet nach 104 Kilometern östlich von Bujumbura in den Tanganjikasee.

Valentin hatte im Vorfeld mehrmals mit Gloria, der für touristische Fragen zuständigen Vertreterin des Kahuzi-Biéga Nationalparks, gesprochen und sie hat versichert, dass ich an der Grenze ein für 7 Tage gültiges Touristenvisum erhalte. Dieses Touristenvisum kostet 50 USD.

Zu Hause hatte ich bei der kongolesischen Botschaft in Berlin angerufen und nach genau diesem Visum gefragt. Dort hatte man mich belehrt, ein solches Visum gebe es nicht. Der einzige Weg, in die DRC einzureisen, sei es, sich ein „normales“ Visum für 110 USD bei der Botschaft in Berlin ausstellen zu lassen. Und das dauert mindestens eine Woche.

Da ich nicht mehr so viel Zeit hatte, habe ich mich auf die Aussage von Gloria verlassen. Und das war gut so. Ich musste lediglich ein Formular ausfüllen, meinen Reise- und meinen Impfpass (wegen des Nachweises der Impfung gegen Gelbfieber) vorlegen und in nicht einmal einer halben Stunde war alles erledigt.

Mittlerweile war Gloria bereits auf dem Weg, um uns abzuholen und in den Nationalpark zu begleiten.

Der Kahuzi-Biéga Nationalpark

Herzliche Begrüßung: Gloria hatte vorher jahrelang im Ausland gearbeitet, auch in Europa. Nun ist sie in den Kongo zurückgekehrt, arbeitet für den Kahuzi-Biéga Nationalpark und engagiert sich dort sehr, den Park populärer zu machen.

Demokratische Republik Kongo, DRC,

Gloria holt Valentin und mich an der Grenze ab.

 

Ohne dass ich meine Frage ausgesprochen habe, erklärt Gloria, dass wir uns nicht beeilen müssen.

 

Erstes Hinweisschild. Man erkennt, dass es den Park schon etwas länger gibt.

Erstes Hinweisschild. Man erkennt, dass es den Park schon etwas länger gibt.

 

Die Gorillas sind morgens immer ganz früh unterwegs und schlafen dann für zwei bis drei Stunden bis etwa 11:00 Uhr. Und bis dahin werden wir an Ort und Stelle sein.

Sieht man mir meine Aufregung und Ungeduld so an?

 

Wahrzechen des Parks am Eingang.

Wahrzeichen des Parks am Eingang.

 

Beim Rezeptionsgebäude im Park angekommen, erfahren wir erst noch einiges über den Nationalpark:

Kahuzi-Biéga (franz. Parc national de Kahuzi-Biéga) wurde 1970 von dem Belgier Adrien Deschryver gegründet.

 

Grabstätte des Gründers.

Grabstätte des Gründers Adrien Deschryver.

 

Ziel war es, die Grauer´s Gorillas (Gorilla Beringei Graueri), die weltweit größte Gorilla-Art zu schützen. Kahuzi-Biéga ist heute der einzige Ort der Welt, wo diese Gorillas in der Wildnis beobachtet werden können.

Der Park hat eine Fläche von 6.000 km² und liegt im Osten der Demokratischen Republik Kongo (Region Süd-Kivu), nahe bei Bukavu. (Ein Ausflug an den malerischen Kivusee ist ein unbedingtes Muss, wenn man sich hier aufhält.)

Er ist nach zwei erloschenen Vulkanen benannt, dem Kahuzi (3.308 m) und dem Biéga (2.790 m). Der Kahuzi ist der höchste Punkt der Region Kivu.

Der Park ist seit 1980 UNESCO-Weltnaturerbe. Im Jahr 1997 setzte das Welterbekomitee den Park auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes.

 

In der Rezeption: Vortrag über gewilderte Tiere

In der Rezeption: Schädel von Tieren, die hauptsächlich im vergangen Krieg getötet wurden. Von den Waldelefanten gibt es nur noch ganz wenige Exemplare.

 

Heute hofft man, dass mehr Touristen den Park besuchen und dadurch die für den Schutz und den Erhalt notwendigen Einnahmen aufzubessern. Dabei muss erwähnt werden, dass die Kosten fürs Gorilla-Trekking mit 400 USD (immer noch ein stolzer Betrag) nur knapp halb so hoch sind wie in Ruanda.

Nun geht es endlich los. Wir besteigen gemeinsam mit zwei Rangern den Jeep und fahren zwischen Teefeldern durch eine hügelige Landschaft und entfernen uns immer weiter von der Straße.

 

Im Jeep unterwegs durch Teeplantagen.

Im Jeep unterwegs durch Teeplantagen.

 

Wir sind bald da!

Wir sind bald da!

 

Nach etwa einer halben Stunde wird das Auto geparkt und nun bewegen wir uns zu Fuß weiter – hinein in den Bergregenwald.

Wir befinden uns auf etwa 2.000 Metern Höhe. Sobald wir den Weg verlassen, ist alles dicht bewachsen, kommt man nur mühsam weiter, bleibt mit den Füssen leicht hängen.

 

Hier durch!

Hier durch!

 

Francois, einer der Ranger, stellt für mich mit ein paar geübten Hieben mit der Machete einen Stock her.

 

Ein Trekking-Stock für mich.

Ein Trekking-Stock für mich.

 

Damit kann ich mich gut abstützen und komme auf dem glitschigen Untergrund leichter und besser voran.

 

Tiefer in den Bergeregenwald.

Tiefer in den Bergregenwald.

 

Wir steigen langsam höher, doch glücklicherweise geht es nur sanft bergauf. Am Himmel sind immer mehr düstere Wolken zu sehen. Ich hoffe, sie werden sich erst dann ausregnen, nachdem wir bei den Gorillas waren.

 

Noch mehr Ranger begleiten uns beim Gorilla-Trekking

Wie aus dem Nichts tauchen zwei weitere Ranger auf, unterhalten sich kurz mit Francois und Thièry, weisen in eine andere Richtung als die, der wir folgen. Die vier beratschlagen kurz, geben uns ein Zeichen zu folgen und schon sind wir zu sechst leicht bergab unterwegs.

Der Weg wird schwieriger, doch jedes Mal streckt sich mir eine hilfreiche Hand entgegen, bevor ich auch nur stolpern oder ausrutschen könnte.

Trotz des dichten Blätterdaches spüre ich plötzlich dicke Regentropfen, höre sie auch auf die Blätter klatschen. Schnell ziehe ich meine Regenjacke an, drehe mich um und sehe, dass auch alle anderen stehen geblieben sind.

 

Sie sind da – und wir sind bei ihnen

Mit einer ganz ruhigen Handbewegung zeigt Janvier, einer der neu hinzugekommenen Ranger, nach vorne. Ich sehe in die gewiesene Richtung, fasse mir unwillkürlich ans Herz: etwa drei bis vier Meter von mir entfernt liegt Silberrücken „Chimanuka“ genüsslich Blätter kauend im Unterholz.

 

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Silberrücken Chimanuka.

 

Es scheint, als würde er uns zwar sehen, sich aber in keiner Weise von uns gestört fühlen. Ich selbst nehme aus den Augenwinkeln wahr, dass Alphonse mir eine Atemschutzmaske aus Vliesstoff hinhält. Ohne nachzudenken streife ich sie über.

Ich stehe wie angewurzelt diesem beeindruckenden, riesigen Wesen gegenüber, kann ihm in die Augen sehen, sehe seine Hände und Finger. Er gibt sehr tieffrequente Laute von sich, die mich ganz entfernt an die Laute von Elefanten erinnern – doch viel leiser, kaum wahrnehmbar.

Der Regen ist jetzt sehr stark und daher ist es auch sehr dunkel. Viel zu dunkel für meine Kamera. Ich stelle sie auf die höchstmögliche Iso-Zahl ein und hoffe, dass ich die wenigen Fotos, die ich machen kann, nicht allzu sehr verwackle.

Nun tauchen in der Umgebung von Chimanuka weitere Gorillas auf. Es scheint so, als wollte die komplette Familie sehen, wer heute zu Besuch da ist.

 

Gorilla-Trekking

Familienmitglied

 

Gorilla-Trekking

… und weitere …

 

Gorilla-Trekking

… und noch mehr!

 

Nach einiger Zeit erhebt sich der Silberrücken, dreht sich um und verschwindet im Wald. Er hat sicher genug gesehen, will jetzt seine Ruhe haben und nicht weiter angesehen werden.

 

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Chumanuka geht.

 

Eines der Tiere knabbert Blätter, ein anderes spielt mit einem Stöckchen, wieder ein anderes klettert einen Stamm empor, ein viertes kümmert sich um ein jüngeres Tier – Fellpflege ist angesagt. Die ganze Szenerie ist ruhig, das genaue Gegenteil von hektisch. Alle ihre Bewegungen wirken ausgeglichen, entspannt.

 

Blätter knabbern.

Blätter knabbern ….

 

...

… die schmecken!

 

Stöckchen spielen.

Mit einem Stöckchen spielen.

 

So nah!

So nah …

 

ruhig und gelassen

…. und ruhig und gelassen

 

Ich kann nicht sagen, wie lange ich dort gestanden habe – regungslos und alles beobachtend, was um mich herum passiert.

Irgendwann sind alle Gorillas im Wald verschwunden, einer nach dem anderen. Und es hat aufgehört zu regnen.

Mir ist, als würde ich aus einem Traum erwachen, einem wunderschönen, doch unwirklichen Traum.

Wir sechs nehmen die Masken ab, sehen uns an – und lächeln. Es ist ein wissendes Lächeln, ein Lächeln über ein sehr großes Geschenk, das wir bekommen haben.

 

Rückweg

Langsam treten wir den Rückweg an. Wie immer kommt er mir kürzer als der Hinweg vor. Jetzt kommt sogar die Sonne wieder raus.

Am Auto angekommen werden mit ein paar Handgriffen zwei zusätzliche Sitzplätze auf der hinteren Ladefläche des Jeeps geschaffen: alle Ranger fahren mit uns zum Rezeptionsgebäude.

Gloria will wissen, wie es war. Mir fallen nur Begriffe wie „breath-taking“ und „unique“ ein.

Wir setzen uns draußen vor der Rezeption an den großen, aus einem dicken Holzstamm gehauenen Tisch, gesellen uns zu zwei Männern, die dort sitzen. Einer der beiden ist Forscher und gehört zum „Karisoke Research Center“, das 1967 von Dian Fossey gegründet wurde.

Bald kommt noch Isidore hinzu. Er ist Communications Officer für den Kahuzi-Biéga Nationalpark. Wir unterhalten uns über die Geschichte und die Zukunft des Parks, über Programme und Unterstützung.

Kann ich irgendwie helfen? Tell people about us, the park and the gorillas! Ja, das kann ich tun. Ich will Menschen in Deutschland davon erzählen. Vielleicht kann ich sie überzeugen, die Gorillas im Kahuzi-Biéga Nationalpark zu besuchen und damit (zu) helfen, ein Weltkulturerbe zu erhalten.

Die beiden Männer verabschieden sich. Inzwischen hat Valentin Essen für uns organisiert. Alles ist frisch gekocht und schmeckt herrlich: Maniok, Gemüse, frittierter Mukeke und frittierte süße Kochbananen.

 

Maniok, Gemüse, frittierter Mukeke.

Maniok, Gemüse, frittierter Mukeke.

 

Irgendwann ist es Zeit zum Aufbruch. Ich bin sicher, dass ich wiederkommen werde, Gloria, Isidore, die Ranger und natürlich die Gorillas wiedersehen werde.

 

Ein Auftrag

Ich sage es ihnen und sie nennen mich zum Abschied „Ambassador of Kahuzi-Biéga“.

Mir ist klar: das ist kein richtiger, offizieller Titel. Dennoch: ich betrachte es als eine große Ehre – und einen Auftrag.

 

4 Kommentare

Sven von Loga

vor 3 Jahren

Gorillas finde ich grandios. Da würde ich auch gerne mal hin !

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Huebscher

vor 3 Jahren

Dann komm doch einfach mit!

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Reinhold Kappenstein

vor 3 Jahren

Hallo Bärbel, danke für deinen schönen Bericht über den Besuch bei den Gorillas. Der Bericht macht echt Lust dort hin zu reisen. Die auch ein schönes Weihnachtsfest. L.G. Reinhold

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Huebscher

vor 3 Jahren

Hallo Reinhold, es freut mich sehr, dass dir mein Bericht gefällt. Vielleicht klappt es ja tatsächlich einmal, dass du dir die Gorillas selbst ansiehst. Liebe Grüße, Barbara

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